Was ist AKS eigentlich?

Historie

Der Name AKS steht für American Karate System. Gegründet wurde diese Stilrichtung 1964 in den USA durch den Deutsch-Amerikaner Ernest Lieb. Im Gegensatz zu den meisten Karate Stilrichtungen ist hier die Selbstverteidigung ein wesentlicher Bestandteil des Trainings und der Prüfungsordnung. American Karate System wurde dann nach Deutschland durch die US-Streitkräfte sozusagen importiert. Der heutige Bundesreferent Andreas Modl übernahm nach Abzug der US Truppen die Aufgaben von Robert Debelak. Heute erfreut es sich aufgrund des Hauptbestandteils Selbstverteidigung immer größerer Beliebtheit und die Lehrgänge werden deshalb von vielen Angehörigen anderer Stile besucht.


Die Besonderheiten des AKS

Insbesondere die Vielseitigkeit macht AKS nicht nur für Anfänger, sondern auch für Karatekas und Kampfkünstler anderer Stilrichtungen attraktiv. Der Aikidoka findet hier genauso wie der Shotokanstilist oder der Judoka bekannte Bewegungsformen und fühlt sich somit innerhalb kürzester Zeit beheimatet. So verwundert es auch nicht, dass viele AKS-Karateka auch in anderen Kampfkünsten (nicht nur Karate) Kyu- oder Dan-Grade haben. AKS besteht aus Kihon (Grundschule), Kata (eine Art Kür), vorgeschriebenen Kumiteformen (Kampfformen), Fallschule, Wurftechniken, Bodenkampf, traditionellen Waffenformen, Wettkampfkarate (nach DKV) und natürlich der Selbstverteidigung, die einen beträchtlichen Teil des Systems bestimmt. Durch das Zusammenschmieden von Techniken aus älteren System ist AKS eine absolut traditionelle Stilrichtung, vergleichbar mit den großen Stilen Wado Ryu, Shotokan oder Goju Ryu, um nur einige zu nennen. Der eigentliche Unterschied liegt im großen Anteil der Selbstverteidigung, die - um es mit bekannten Begriffen zu belegen - einen Zusammenschluss aus Aikido, Judo, Jiu Jitsu und Karate darstellt. Diese Aussage "hinkt" natürlich etwas, da die Techniken selbstverständlich eigene sind. Sie macht aber in etwa deutlich, worum es sich handelt. Im AKS−Karate gibt es für alle Techniken und auch Ausführungen der Kata eine sogenannte "Altersform", das heißt wenn eine Person aus Alters− oder gesundheitlichen Gründen beispielweise hohe Fußtechniken oder Sprünge nicht mehr ausführen kann, kann sie diese durch tiefe Tritte oder sogenannte Ersatztechniken austauschen. Diese "Altersform" wird innerhalb des Stils offiziell voll anerkannt. Unserem Wissen nach sind wir die einzige bekannte Stilrichtung, die eine solche Möglichkeit in diesem Ausmaß anbietet.


AKS und andere Stilrichtngen

Wir glauben nicht von uns, dass wir das Rad neu erfunden haben, unsere Prinzipien und Ursprünge sind in vielen verschiedenen Kampfkünsten zu finden (Wado Ryu, Aikido und Aikijitsu, die streckenweise identische Ansichten vertreten). Aus diesem Grund hat unsere Gruppe auch keinerlei Berührungsängste zu anderen Systemen, im Gegenteil, unsere Prüfungsordnung schreibt vor, dass der Schüler sich Katas aus anderen Systemen aneignen muss, um sie auf seiner Prüfung zu demonstrieren. So sind die AKS-Karatekas gezwungen sich mit anderen Stilen wirklich ernsthaft zu beschäftigen und von ihnen zu lernen. Damit soll verhindert werden, dass wir unsere Wurzeln verlieren. Kampfkunst bedeutet Entwicklung und Entwicklung bedeutet sich seiner Ursprünge immer bewusst zu sein.

Wenn es im Karate so etwas wie Verwandschaft gibt, könnten wir sagen, dass wir ziemlich eng mit Aikido und Wado Ryu verwandt sind. Letzlich findet man in unserem System viele verschiedene Kampfkunstkomponenten, die zu einem Ganzen verschmelzen, das in unserem Fall den Namen AKS hat. Man darf selbstverständlich nicht vergessen wo AKS ursprünglich herkommt. Es wurde als militärische Nahkampfstrategie entwickelt und in seinen ersten Jahren des Bestehens auch ausschließlich dafür eingesetzt. Aus diesem Grund ist auch der Anteil der Selbstverteidigung in unserem System so hoch gewichtet. Im Laufe der Jahrzehnte reifte es zu einem kompletten Karatesystem heran. Seit längerer Zeit liegt nun dieser kriegerische Teil unserer Geschichte hinter uns, mittlerweile haben wir uns der Kampfkunst als solches verschrieben.

Wir behaupten nicht von uns, dass wir das Rad neu erfunden hätten. Im Gegenteil, vermutlich sind wir die einzige Stilrichtung die zugibt, jede Menge von anderen übernommen zu haben. Das haben ausnahmslos alle anderen Stilrichtungen auch getan, allerdings würden die japanischen Großmeister das nie eingestehen. Wir fragen uns bereits seit 45 Jahren: warum eigentlich nicht? Unserer Auffassung nach würden wir es als Ehre empfinden, wenn ein anderer Stil Teile unseres Systems übernimmt, allerdings sollte er es dann auch zugeben können.

Man könnte also die technische Entwicklung vom American Karate System am Ende auf den Punkt bringen, in dem man es mit einem Zitat aus einem beliebten Sience Fiction Film sagt:
Wir sind wie die Borg. Wir assimilieren. Alles Gute wird genutzt, das weniger Gute bleibt liegen. Die Entscheidung darüber, was für uns nützlich sein könnte oder nicht, liegt beim so genannten Board of Advisor, über das man auf de AKS-Germany Seite mehr erfahren kann. AKS hat inzwischen einen ganz eigenen Charakter entwickelt, der eine starke Faszination auf Kampfkunstinteressierte ausübt. Darüber freuen wir uns sehr, denn es bereichert uns am Ende und hilft uns bei unserer weiteren Entwicklung.

Abgesehen von den technischen Dingen könnte man uns wie folgt beschreiben:
Wir sind sehr an Zusammenarbeit interessiert. Wir begegnen anderen vollkommen vorurteilsfrei und wünschen uns, dass man auch uns so begegnet. Die AKS Karatekas ob nun in Deutschland oder Amerika oder wo auch immer, sehen sich im Grunde als eine Familie an. Die Kontakte, auch über die grossen Entfernungen, sind eng und es herrscht ein ständiger Informationsaustausch. Uns in Deutschland geht es ausschließlich um Karate und Kampfkunst, sportpolitische Intrigen und gegenseitige Repressalien sind uns fremd und finden bei uns auch keinerlei Verständnis. Alle die hingegen an Kampfkunst interessiert sind, sind uns ob als Mitglieder oder Gäste herzlich willkommen.

Selbstverständlich kann diese Beschreibung nur oberflächlich sein, aber sie vermittelt doch einiges der Vielseitigkeit unseres Systems. Obwohl wir mit offiziell knapp fünfzig Jahren eine relativ junge Richtung sind, sind wir sehr traditionell. Es geht uns um das Wesentliche, die Kampfkunst als solches.


Training und Techniken

Die folgenden Abschnitte stammen vom Martial Arts Wiki und beschreiben, welche Techniken im AKS Training geübt werden.

Kihon (Grundtechniken)
Die Grundtechniken des AKS sind denen des Wado-Ryu sehr ähnlich. Es werden auch die Begriffe des Wado-Ryu benutzt (z.B. Jun-Zuki statt Oi-Zuki). Zusätzlich zu den klassischen Wado-Ryu-Techniken gibt es im AKS jedoch zusätzliche Techniken, die trainiert und geprüft werden; dies sind vor allem Fußtechniken.

Renraku-Waza (Kombinationen)
Prüflinge müssen ab dem 8. Kyu Kombinationen aus den Kihontechniken vorführen. Diese sind im Prüfungsprogramm vorgeschrieben und beinhalten zwei bis vier Techniken. Bei der Prüfung zum 2. Kyu darf der Prüfling selbst eine Kombination bestehend aus mindestens sechs Techniken wählen. Ab dem 1. Kyu muss die gezeigte Kombination mindestens acht Techniken umfassen.

Nage-Waza (Wurftechniken)
Im AKS gibt es nur zwei festgeschriebene Würfe: den O-Goshi und den Seoi-Nage, die bei der Prüfung zum 6. Kyu vorgeführt werden müssen. Ab dem 5. Kyu wird nur noch eine bestimmte Anzahl an Würfen verlangt; es ist aber nicht mehr vorgeschrieben, welche dies sein müssen. Bei den Wurftechniken wird nur zwischen Halb- und Vollwürfen unterschieden. Bei Halbwürfen bleibt ein Bein des Geworfenen während der Ausführung am Boden (z.B. Irimi-Nage, Ashi-Barai), während der Geworfene beim Vollwurf vorübergehend jeglichen Bodenkontakt verliert (z.B. O-Goshi, Tomoe-Nage).

Tai Sabaki
Die Ganzkörperbewegung (Tai Sabaki) ist eine Schlüsselbewegung im AKS. Sie ermöglicht es, möglichst schnell eine andere Position zum Gegner einzunehmen. Ausgeführt wird der Tai Sabaki ähnlich wie im Aikido.

Katas (Formen)
Wie in den meisten anderen Karatestilrichtungen auch gibt es im AKS mehrere Katas. Für Prüfungen ist hierbei erwähnenswert, dass es auch sog. "Altersformen" gibt. Das heißt, dass Prüflinge, die aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen z.B. keine Jodan-Fußtechniken oder Sprünge ausführen können, diese Techniken durch Ersatztechniken austauschen können. Eine Besonderheit ist auch, dass der Prüfling ab dem 1. Kyu eine Kata eines anderen Karatestils vorführen muss.
Die sechs Schülerkatas des AKS stehen zwischen den Heian- und Pinan-Katas. Diese Beschreibung kommt den Abläufen am nächsten, denn das Embusen in H-Form und viele der einzelnen Techniken sind auch in den AKS-Schülerkatas wiedererkennbar. Die sechs Meisterkatas sind Eigenkreationen von mehreren hohen Danträgern. Diese Katas sind jedoch im Gegensatz zu den Schülerkatas nicht mit Formen einer anderen Karatestilrichtung vergleichbar.
  • 8. Kyu: Taeyoko
  • 7. Kyu: Shodan
  • 6. Kyu: Nidan
  • 5. Kyu: Sandan
  • 4. Kyu: Yodan
  • 3. Kyu: Godan
  • 2. Kyu: Kema, ersatzweise auch Naihanchi oder eine der Tekki-Katas
  • 1. Kyu: eine Kata aus dem bisherigen Prüfungsprogramm
  • 1. Dan: Neko Shodan, entwickelt von Michael Sullenger
  • 2. Dan: Neko Nidan, entwickelt von Robert und Mary Anna Nicholson
  • 3. Dan: Neko Sandan, entwickelt von Babis Polychronopoulos
  • 4. Dan: Neko Yodan, entwickelt von Tom Twining
  • 5. Dan: Neko Godan, entwickelt von Andreas Modl

Waffenkatas
Schwert Außerdem gibt es im AKS diverse Waffenkatas mit Bo, Tonfa, Sai, Hanbo und Bokken. Bei höheren Gürtelprüfungen (ab dem 2. Kyu) wird vom Prüfling eine Waffenkata verlangt, die dieser frei wählen kann. Zur Auswahl stehen:
  • AKS-Waffenformen
  • Waffenkatas eines anderen Stils(z.B. die 31-Jo-Kata aus dem Aikido)
  • selbst erstellte Formen mit AKS Waffen
  • selbst erstellte Formen mit anderen Waffen


Fallschulkata
In der Fallschulkata kommen alle üblichen Formen des Fallens vor. Dazu zählen die Rolle vorwärts und rückwärts, der seitliche Fall, der Sturz vorwärts und rückwärts, der so genannte "Durchschlag" und die Flugrolle. Jede dieser Fallübungen wird nach Möglichkeit einmal links und einmal rechts herum ausgeführt.
Des weiteren wird sie in zwei Versionen geübt – sportlich und traditionell. Bei der sportlichen Version springen die Übenden zum Teil extrem hoch, während die traditionelle Version aus dem Kniestand ausgeführt wird.

Traditionelle Kumiteformen
Als Pendant zum Shotokan Gohon-Kumite und dem Wado-Ryu Ohyo- bzw. Kihon-Kumite gelten im AKS die traditionellen Kumiteformen. Dabei kommt es nicht auf den Selbstverteidigungswert der ausgeführten Techniken an, sondern viel mehr auf die korrekte und saubere Ausführung und die dabei gezeigte Konzentration und die Wachsamkeit (Zanshin). Die traditionellen Kumiteformen können vom Prüfling frei gewählt werden. Häufig finden dabei die Ohyo- und Kihon-Kumiteformen des Wado-Ryu Anwendung. Jedoch können auch Formen aus anderen Stilen (wie z.B. dem Shotokan) benutzt werden.

Selbstverteidigung
Die Selbstverteidigung ist die Hauptkomponente des AKS. Hierzu zählen Schlag- und Trittangriffe, Umklammerungen, Würgeangriffe, Handgelenksfassen, Reversfassen, Angriffe mit Waffen, Angriffe am Boden oder gegen die Wand. Im Prüfungsprogramm darf sich ohne Regeln – wie in der Realität – gewehrt werden; d.h. mit Schlägen, Tritten, Hebeln, Würfen, Würgern wie auch mit Waffen und Alltagsgegenständen. Dies hat zur Folge, dass in Prüfungen Gegenstände wie Gürtel, Kugelschreiber, Kaffeebecher, Motorradhelme oder Bierkisten zum Einsatz kommen.